Die Krankentaggeldversicherung (KTG) ist für Personalverleiher ein unverzichtbares Instrument. Sie schützt nicht nur Unternehmen vor finanziellen Risiken, sondern auch die Mitarbeitenden im Krankheitsfall. Doch die neusten Zahlen des Branchenverbands werfen Fragen auf: Mit einer durchschnittlichen Leistungsquote von 95%* liegt die Branche deutlich über dem, was langfristig tragfähig erscheint.
Die Leistungsquote und Ihre Bedeutung
Eine Leistungsquote (Sinistralität) beschreibt das Verhältnis von Versicherungsleistungen zu den eingenommenen Risikoprämien.
- 95% bedeutet: Von jedem Franken, den die Versicherer als Prämie einnehmen, zahlen sie 95 Rappen wieder als Leistung aus.
- Was fehlt: Die restlichen 5 Rappen müssen sämtliche Verwaltungskosten, Rückstellungen, Vertriebsaufwand und Margen decken.
In der Praxis reicht das kaum aus:
- Versicherer kalkulieren in der Regel mit einer Zielquote von 70–80%, um eine gesunde Balance zwischen Leistungen, Kosten und langfristiger Prämienstabilität zu erreichen.
- Liegt die Quote dauerhaft bei 95% oder höher, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Prämien in den Folgejahren steigen müssen, um die Defizite des Versicherers auszugleichen.
- Für Personalverleiher bedeutet das: Sie zahlen heute vielleicht noch „marktübliche“ Prämien, laufen aber Gefahr, dass diese mittelfristig spürbar anziehen.
Kurz gesagt: Eine Quote von 95% zeigt, dass die Branche im KTG-Bereich sehr knapp kalkuliert – langfristig ist das nicht stabil. Wer als Personalverleiher eine Lösung mit tieferer Sinistralität nutzt, hat den Vorteil, dass seine Prämien deutlich stabiler und planbarer bleiben.
Warum ist die Sinistralität im Personalverleih so hoch?
- Hohe Fluktuation: Temporärarbeit bedeutet ständige Personalwechsel, was Krankheitsausfälle wahrscheinlicher macht.
- Berufliche Belastung: Viele Temporäre sind in körperlich anspruchsvollen Jobs tätig, was zu überdurchschnittlich vielen Arbeitsausfällen führt.
- Heterogene Belegschaft: Unterschiedliche Einsatzbereiche, Nationalitäten und Erfahrungsstufen erschweren ein einheitliches Gesundheitsmanagement.
Die Folgen für Personalverleiher:
- Steigende Prämien und höhere Kostenbelastung
- Geringere Planbarkeit in der Kalkulation
- Risiko, gegenüber Kunden an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren
Ein Blick auf alternative Modelle
Zu beachten ist, dass nicht alle KTG-Lösungen gleich abschneiden. Unsere auf die Anforderungen des Personalverleihs zugeschnittene Krankentaggeldversicherung hat im letzten Geschäftsjahr mit einer Sinistralität von 58% deutlich besser abgeschnitten als der Branchendurchschnitt von 95%.
Die Gründe dafür liegen in der spezifischen Ausgestaltung unserer Lösung:
- Professionelles Case Management: Krankheitsfälle werden von Beginn an eng begleitet. Das sorgt für eine schnelle Genesung, reduziert Langzeitausfälle und stellt sicher, dass die Mitarbeitenden bestmöglich unterstützt werden.
- Vertiefte Fallanalyse und rasche Reaktion zur Senkung der Schadenquote
- Digitales Absenzmanagement: Unsere Plattformen machen das Absenzmanagement digital und transparent. Dank intelligenter Schnittstellen sind alle Beteiligten sofort informiert. Das ermöglicht es uns, frühzeitig zu intervenieren und gezielte Massnahmen einzuleiten, um so die Wahrscheinlichkeit von Langzeitabsenzen deutlich zu reduzieren.
Das Ergebnis: Stabilere Schadenquoten, weniger Prämienanstiege und mehr Planungssicherheit für Personalverleiher.
Was heisst das für Personalverleiher konkret?
Es lohnt sich, die eigene KTG-Lösung kritisch zu prüfen und mit Branchenwerten zu vergleichen.
Wichtig: Bis Ende September besteht noch die Möglichkeit aus bestehenden Verträgen auszutreten und Optimierungen vorzunehmen.
Wer seine KTG-Kosten im Griff hat, verschafft sich nicht nur finanzielle Vorteile, sondern auch mehr Stabilität in der Kunden- und Mitarbeitendenbetreuung.
Fazit
Die Zahlen des Branchenverbands sind ein Weckruf: Personalverleiher sollten ihre Absicherung im Krankentaggeldbereich nicht als statisch betrachten, sondern aktiv gestalten. Wer die Sinistralität versteht und daraus die richtigen Schlüsse zieht, kann sich Wettbewerbsvorteile sichern und gleichzeitig für faire und nachhaltige Bedingungen im Temporärmarkt sorgen.
*Quelle: Jahresbericht Swissstaffing 2024
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Juan Carlos Conde
Leiter Gesundheitsleistungen / Mitglied der Geschäftsleitung
Mit über 10 Jahren Erfahrung in strategischer und operativer Führung sowie umfassender Expertise in Sozialversicherungen, ist er als Leiter Gesundheitsleistungen und Co-Business Owner von ePlix, ePlix Business und eAbsence bei enovetic tätig. Er verfügt über einen M.A. in Public Management & Policy und hat Jura studiert (BLaw). Als Mitglied der Geschäftsleitung der enovetic liegen seine Stärken in der Prozessoptimierung sowie der Kundenorientierung. Er ist bekannt für seine ausgezeichneten Kommunikationsfähigkeiten in mehreren Sprachen und seine Innovationskraft.